The Limbic Imprint - Limbische Prägung (in German)
(in German)
November, 2006
Warum ist es so wichtig für uns, die Bedeutung einer gesunden und glücklichen Schwangerschaft zu verstehen? Warum müssen wir alles tun, um unser Geburtstrauma zu heilen? Kann es uns beeinflussen? Wie?
Ja, es beeinflusst uns ganz gewaltig. Ein Baby ist schon lange vor der Geburt, während der Geburt und kurz danach empfindsamer als es dies je wieder sein wird. Es erlebt nur Empfindungen und Gefühle und hat noch keine kognitive Verknüpfung. Unsere ersten Eindrücke bleiben uns für den Rest unseres Lebens, zum Guten oder zum Bösen. 25 Jahre Studium auf dem Gebiet pränataler Psychologie haben eindeutig eine Beziehung zwischen der Art und Weise unserer Geburt und unseren unbewussten Verhaltensmustern als Erwachsene festgestellt. Der Grund dafür ist ein Mechanismus, der „Limbische Prägung“ genannt wird.
Wir kennen uns recht gut damit aus, wenn es darum geht, unseren Fernseher, unsere Kamera oder unseren Computer einzustellen. Stellen Sie sich vor, der Fernseher ist auf die Farbe blau eingestellt. Dann ist es unwichtig, welcher Film gezeigt wird, denn alles wird in Blau erscheinen. Oder wenn die Helligkeit auf dunkel gestellt ist: gleichgültig wie hell das Bild des Films ist, auf dem Bildschirm wird nur ein dunkles Bild erscheinen.
Genau dieser Mechanismus wirkt in uns Säugetieren. Limbische Präugung wird seit tausenden von Jahren benutzt, um Tiere dem Menschen dienbar zu machen: Elefanten, Kamele, Pferde, Zirkusbären. Ein Elefant, beispielsweise, wird an einen Stock angebunden. Als Baby versucht das Tier einige Tage lang mit aller Kraft sich zu lösen, und dann gibt es auf. Wenn der Elefant gross ist und genug Kraft hat, denStock mit Leichtigkeit herauszuziehen, tut er es nicht. Er versucht es nie wieder.
Um den Ausdruck “limbische Prägung” besser zu verstehen, schauen wir uns die Grundstruktur des Gehirns an. Auf der Spitze der Wirbelsäule befindet sich ein Segment, das „reptilisches Gehirn” genannt wird und ausschliesslich für die physiologischen Funktionen des Körpers gebraucht wird. Dies ist der Teil des Gehirns, der funktionstüchtig bleibt, wenn eine Person im Koma liegt. Die grundlegenden physiologischen Vorgänge funktionieren weiterhin, Frauen haben sogar Monatsblutungen und wenn sie schwanger sind, kann der Fötus sogar in ihnen weiterwachsen.
Dann haben wir den Kortex, auch “graue Zellen” genannt. Er ist für die geistigen Tätigkeiten zuständig. Normalerweise reden wir von diesem Teil, wenn wir vom “Gehirn” reden. Es ist der Teil des Gehirns, der die kognitiven Funktionen beinhaltet: Logik, Rechnen, Planen...
Und dann haben wir das limbische Systen des Gehirns, das für unsere Gefühle und Empfindungen zuständig ist.
Limbische Prägung findet in diesem Teil des Gehirns statt. Er ist nicht direkt mit dem Kortex verbunden, der für unsere kognitiven Erinnerungen zuständig ist. Während der Schwangerschaft, der Geburt und der frühen Kindheit registriert das limbische System all unsere Empfindungen und Gefühle ohne sie in die Sprache des Kortex zu übersetzen, denn dieser is noch nicht entwickelt. Die Erinnerung daran jedoch lebt für den Rest unseres Lebens in unserem Körper, ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht.
Wir kommen auf diese Welt mit der Bereitschaft Liebe zu empfangen. Wenn unsere erste Erfahrung entsprechend ist, so wird dies in unserem limibschen Nervensystem als solche gespeichert: als Einstellung auf das unleugbare Recht zu existieren. Wenn wir in den liebevollen Armen der Mutter liegen, von ihrer Brust genährt werden und die grosse Freunde in den Augen unseres Vaters sehen, dann gibt uns das ein natürliches Gefühl von Glück und Sicherheit. Wir wissen dann, dass die Welt der richtige Paltz für uns ist.
Sollte jedoch der erste Eindruck unseres neuen Lebens weniger als liebevoll ( schmerzhaft, angsterregend, einsam…) sein, dann wird dieses “weniger” als gültige Erfahrung von Liebe eingeprägt. Es wird in unser Nervensystem als “Komfortzone” einprogrammiert und erhält den Stellwert eines Ersatzes für Liebe, egal wie schmerzhat, frustrierend oder unerwünscht es eigentlich war. Und in unserer Zukunft werden wir automatisch und auf unbewusste Weise Bedingungen erschaffen, wie sie sich uns in unserer Geburt und frühen Kindheit eingeprägt haben.
Forschungen durchgeführt von Dr.Thomas Verny, Dr. David Chamberlain und Dr. William Emerson, Pioniere der pränatalen Psychologie, belegen, dass ein unglaublich grosser Teil physischer Konditionen und Verhaltensstörungen das direkte Ergebnis traumatischer Schwangerschaft und Komplikationen bei der Geburt, einschliesslich mechanischer Eingriffe und Betäubung, sind.
Nicht nur die schrecklichen Auswirkungen des Traumas der eigentlichen Geburt, sondern auch dessen, was danach passiert: routinemässige und unpersönliche Behandlung nach der Geburt sind Grund zur Besorgnis. Das Fehlen menschlicher Wärme, Zärtlichkeit und Ernährung durch die Mutter, vorzeitiges Trennen der Nabelschnur, grobe Behandlung, Beschneidung, Nadeln, helles Licht, Lärm... all diese Dinge werden sofort im Nervensystem des Neugeborenen als „Komfortzone“ gespeichert, entgegen aller Logik. Denn die Logik befindet sich in einem anderen Teil des Gehirns, das noch nicht entwickelt ist. Diese Person wird also weiterhin unbewusst Situationen des Missbrauchs in ihrem Leben erschaffen oder anziehen, oder selbst Missbrauch anwenden. Selbst wenn ihr Verstand/Kortex später im Leben dieses Verhalten als „Missbrauch“ erkennen kann, so hat die Prägung jedoch in einem anderen Bereich des Gehirns stattgefunden, und dieser hat nicht die Fähigkeit, das Muster zu eliminieren.
Gemäss einer Studie von Dr.William Emerson aus dem Jahre 1995 werden 95% aller Geburten in den Vereinigten Staaten als traumatisch eingestuft, 50% davon als „leicht“ traumatisch und 45% als „schwer“ traumatisch. Es betrifft uns also alle.
Wenn wir unter quälenden Schmerzen oder unter Benommenheit und dem Gift von Narkose geboren wurden, ist unsere limbische Prägung Schmerz und Betäubung. Eine traumatische Geburt entzieht uns unser Selbstbewusstsein und beeinträchtigt unses Fähigkeit zu lieben, zu vertrauen, Intimität zu leben und unser wahres Potential zu leben. Süchte, geringe Fähigkeiten der Problemlösung, Unfähigkeit Mitleid zu empfinden, Verantwortungslosigkeit sind alles Probleme, die mit dem Geburtstrauma zusammenhängen. Mehr Information darüber in www.birthpsychology.com.
Normalerweise gebärt eine Frau wie sie selbst geboren wurde, und zwar aufgrund ihrer limbischen Prägung. Ihr Körper kennt nur diese „Art“ der Fortpflanzung. Wenn sie unter Komplikationen geboren wurde, so ist es wahrscheinlich, dass sie diese Situation automatisch wiederholen wird. Bis sie dieses limbische Gedächtnis nicht bewusst ändert, wird sie unbewusst ihr eigenes Geburtstrauma an ihre Tochter weitergeben, so wie sie es von ihrer Mutter erhalten hat. Die erste Geburt ist ein riesiger Schritt zur Heilung. Deswegen sind auch die weiteren Geburten in der Regel leichter.
Die blutigen und gewalttätigen Aspekte der menschlichen Geschichte wurden von Personen geschaffen, die nicht die Fürsorge und Zärtlichkeit erhielten, die sie als Babies gebraucht hätten. Eine Statistik von Dr. Stan Grof belegt, dass 100% der Gewalttäter ungewollte Babys waren. Das ist eindeutig. Das bedeutet natürlich nicht, dass alle ungewollten Babys Verbrecher werden. Die meisten Eltern wachsen in die Aufgabe hinein, verlieben sich letztendlich in ihre Babys und versorgen sie vorbildlich. Aber es bedeutet auch, dass diese unglückseligen Kinder, deren Eltern ihre Bedürfnisse nicht erfüllen konnten, wesentlich geringere Chancen haben, erfolgreich zu sein.
Die grössten Meisterwerke unserer Kultur reflektieren das Drama des Lebens: Eifersucht, Habgier, Wollust, Hass, zerbrochene Träume, unerfülltes Potential. Shakespeares Stücke, Bilder klassischer Maler, Musik sprechen alle in schönster Weise von der menschlichen Verzweiflung. Nur ein sehr kleiner Teil der Kultur handelt von Liebe, Schönheit und Erfüllung. Warum ist das so?
Ich glaube folgendes: der Fluss unserer Kreativität hängt davon ab, wie wir uns fühlen und wie wir das Leben erfahren. Und wie wir das Leben erfahren hängt weitgehend von unserer limbischen Prägung ab. Diese Prägung bestimmt unsere Vorlieben und Abneigungen, was wir als schön und attraktiv oder abstossend empfinden. So wie ich es verstehen, ist es unerlässlich in Liebe geboren zu sein, um einem erleuteten Meisterwerk das Leben zu geben, sei es ein menschliches Wesen, ein wunderschönes Gedicht, ein wohlgedeihender Garten oder einfach ein erfüllter bereichernder Tag. Und wir alle, die wir vor langer Zeit in eine wenig beglückende Situation hineingeboren wurden, müssen einen Weg finden, um unser eigenes Geburtstrauma zu heilen. Gesunde und liebevolle Selbst-Fürsorge KANN einen Grossteil des Schadens wiedergutmachen.
Es gibt viele Möglichkeiten unser Wohlbefinden zurückzugewinnen. Ich biete eine davon in meinem Workshops an. Ich werde später darauf zurückkommen.
Wenn man sein eigenes Geburtstrauma heilt, kann man das Leben geniessen und sich wohl in seinem Körper – in seiner Haut - fühlen, mitten im Leben stehen und es einfach lieben. Das Leben zu lieben ist die praktischste und sicherste Art zu leben. Jede Art von Unwohlsein ist kostspielig, verwirrend und verbraucht viel Energie. Wir verschwenden viel Energie und Zeit, weil wir uns in unserem Körper nicht wohl fühlen.
1982 begann meine Arbeit an der Seite des russischen Pioniers in Wassergeburten, Igor Charkovsky, mit der Suche nach Möglichkeiten, Babys ohne Geburtstrauma auf die Welt zu bringen. Es wurde zu einer tiefgreifenden und wunderschönen Heilung meines eigenen Traumas. Wenn Sie an meiner Verpflichtung zu grösserem Glück interessiert sind, bin ich gerne bereit meine Erfahrungen mit Ihnen zu teilen.
Es ist die Mühe wert, unser eigenes Geburtstrauma zu heilen und die Gelegenheit zu ergreifen, ein Meisterwerk aus unserem Leben zu machen. Wir sind in der Lage zu erkennen, dass wir trotz eines unangenehmen Anfangs nun als Erwachsene die Wahl haben, unsere Grundausstattung zu verändern, das heisst, unsere limbische Prägung neu zu programmieren. Wir können unser Leiden und unsere Hilflosigkeit während der Geburt in Liebe und Lebensfreude umwandeln. Wir können unsere Macht wiedergewinnen, die Schmerzen unserer Vorfahren aus unserem System beseitigien und unseren Kindern einen friedvollen und mächtigen Eintritt in die Welt bereiten. Ich möchte Sie dazu ermutigen, die Möglichkeiten zu betrachten, die sich der Menschheit bieten, wenn Frauen ihre wahre Leistungsfähigkeit in Anspruch nehmen, die alle Säugetiere haben: nämlich ihre Nachkommen ohne Trauma zu gebären und aufzuziehen.
Sie mögen mich naiv nennen, aber ich ich glaube wirklich, dass wir die Qualität unserer Rasse innerhalb von einer Generation verbessern können, wenn wir es unseren Kindern erlauben, auf diese Welt zu kommen ohne Leiden und Schmerzen eingraviert zu bekommen. Ich sehe eine neue Generation vor meinen Augen, die in eine sichere, mitfühlende und intelligente Welt eintritt.
Ich sehe bewusste Fortpflanzung als ein Tor zur Gesundung unserer Spezie. In diesem Buch erkläre ich wie und warum. Die Programmierung von Schmerz im Menschen als Norm ist ein grosses psychologisches Thema. Deswegen schreibe ich diese Buch :). Diese “Programmierung” geschieht so oder so, ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht. Unsere Körper funktionieren nun einmal so, ob es uns gefällt oder nicht. Ich möchte daher meine Beobachtungen mitteilen, wie man dies positiv beeinflussen kann.
Wie Einstein sagte: “Wir können das Problem nicht mit der gleichen Einstellung lösen, mit der es geschaffen wurde.” Wir Menschen sind in diesem Moment in 250 Kriege verstrickt. Wir haben lebensbedrohliche Situationen im Bereich der Umwelt, Politik und Wirtschaft geschaffen. Wir sind wahrlich reif für Veränderungen. Wenn wir wirklich verstehen, wie wir dieses Durcheinander geschaffen haben, haben wir eine gute Chance es wieder rückgängig zu machen.
Soziale Revolution und Politische Massnahmen funktionieren nicht, denn sie werden von Menschen gemacht, die von ihrem eigenen Gebrtstrauma getrieben werden und für den unbewussten kollektiven Schmerz und Lebensangst sorgen (schauen Sie doch, was unsere Regierungen tun…) Es ist unmöglich, einen tiefen Sinn für Wohlbefinden zu haben, wenn man nie gelernt hat, wie sich das anfühlt. Zuallererst müssen wir das für uns selbst herausfinden. Dann erst können wir wirklich grundlegende Lösungen, und keine hektischen Hauzu-Reaktionen, finden.
Wir können erst wachsen und gedeihen, wenn wir eine neue Generation schaffen, die nicht im Uterus durch den hohen Spiegel an Stresshormonen im Blut der Mutter geschädigt wurde. Ich sage immer: “Es ist viel einfacher, gute neue Menschen zu schaffen, als die alten zu reparieren.“
Wenn unsere Grundeinstellungen nicht “Angst”, “Schmerz” oder “Leid” sind, sondern “Liebe”, “Sicherheit” und “tiefe Verbindung” , dann haben wir Menschen wirklich eine Chance.